Petition an den Davoser Kleinen Landrat für Familien- statt Zweitwohnungen

Esther Marmet übergibt die Petition an Landammann Philipp Wilhelm, rechts Stefan Pfister

In Davos wird enorm viel gebaut. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sind hun­derte Woh­nun­gen neu ent­stan­den. Bei sta­gnie­ren­der Bevöl­ke­rungs­zahl. Und den­noch hat es zu wenig grosse Miet­woh­nun­gen für Fami­lien mit 3 und mehr Kin­dern. Die Peti­tio­näre Esther Mar­met, Ste­fan Pfis­ter und Chris­tian Tho­mann wol­len vom Klei­nen Land­rat wis­sen, wie gross die Umnut­zung in Zweit­woh­nun­gen ist und was der Kleine Land­rat dage­gen zu tun gewillt ist.

 

In der Abstim­mungs­bro­schüre der Gemeinde Davos zur Volks­ab­stim­mung vom 27. Sep­tem­ber 2020 zur Volks­in­itia­tive für mehr bezahl­bare Woh­nun­gen in Davos wird in der Tabelle auf Seite 24 fest­ge­stellt, dass in Davos von 2014 bis 2019, also in ledig­lich 6 Jah­ren, 367 Wohn­ein­hei­ten gebaut wur­den. Davon waren 315 Erst­woh­nun­gen und 52 Zweit­woh­nun­gen. Die Bau­ent­wick­lung geht in die­ser Form mun­ter wei­ter, da im sel­ben Zeit­raum noch 124 wei­tere Woh­nun­gen bewil­ligt wur­den, deren Bau noch nicht ange­fan­gen wurde. In der Bau­wirt­schaft ist denn auch die Krise aus­ge­blie­ben, die im Vor­feld der eidg. Zweit­woh­nungs­in­itia­tive her­auf­be­schwo­ren wurde. Die Ent­wick­lung im Woh­nungs­bau scheint auch in Zukunft unver­än­dert so wei­ter­zu­ge­hen.

 

Es feh­len aber die Erklä­run­gen, wieso 367 neue Wohn­ein­hei­ten als zusätz­li­che Woh­nun­gen in den Erst­woh­nungs­markt gelan­gen konn­ten, ohne dass dies mar­kante Aus­wir­kun­gen auf das Miet­zins­ni­veau gehabt hat. Es ist darum anzu­neh­men, dass die 367 frei gewor­de­nen älte­ren Woh­nun­gen als alt­recht­li­che Bau­sub­stanz nicht im Erst­woh­nungs­markt ver­blie­ben sind, son­dern zu Zweit­woh­nun­gen umge­nutzt wur­den und somit für die ein­hei­mi­sche Bevöl­ke­rung ver­lo­ren­gin­gen. Dar­un­ter lei­den unter ande­rem Fami­lien mit 3 und mehr Kin­dern, denn für sie hat es aus­ge­wie­se­ner­mas­sen zu wenig grosse Woh­nun­gen.

 

In der Abstim­mungs­bro­schüre der Gemeinde Davos zur Volks­ab­stim­mung vom 19. Mai 2019 zum Gesetz über Zweit­woh­nun­gen der Gemeinde Davos stel­len die Davo­ser Behör­den auf Seite 8 fest: "Aller­dings gibt es Beden­ken, dass alt­recht­li­che Woh­nun­gen als Zweit­woh­nun­gen ver­äus­sert wer­den, (...) Wohn­raum zu güns­ti­gen Miet­prei­sen ver­lo­ren­geht (...). Zur Abschät­zung der Ver­hält­nisse im Hin­blick auf die Ergrei­fung von Mass­nah­men zur Ver­hin­de­rung von Miss­bräu­chen und uner­wünsch­ten Ent­wick­lun­gen ist des­halb das Mass der Umnut­zung von alt­recht­li­chen Woh­nun­gen zu erhe­ben, wel­che am 11. März 2012 als Erst­woh­nun­gen belegt waren." Zu die­sem Zweck wurde eine Anzei­ge­pflicht für die Umnut­zung alt­recht­li­cher Erst­woh­nun­gen in das Davo­ser Gesetz­buch auf­ge­nom­men (DRB 60.3 Art. 11).

 

Wir stel­len einer­seits fest, dass in weni­gen Jah­ren hun­derte Woh­nun­gen gebaut wer­den, deren Kauf offen­bar – ohne andere plau­si­ble Erklä­run­gen – durch den Ver­kauf von alt­recht­li­chen Woh­nun­gen zu Zweit­woh­nun­gen getrie­ben ist. Ande­rer­seits ver­harrt das Miet­zins­ni­veau bei hohen Prei­sen, und grosse Fami­li­en­woh­nun­gen feh­len wei­ter­hin. Dies alles stellt eine klar uner­wünschte Ent­wick­lung dar, die wei­ter im Gang und nicht im Sinne eines gros­sen Teils der Davo­ser Bevöl­ke­rung ist. Die nur knappe Ableh­nung der bereits erwähn­ten Volks­in­itia­tive für mehr bezahl­bare Woh­nun­gen im Sep­tem­ber 2020 zeigte das weit­ver­brei­tete Unbe­ha­gen. Es darf nicht sein, dass der knappe Raum in Davos wei­ter­hin für zusätz­li­che Zweit­woh­nun­gen ver­schwen­det wird. Wir möch­ten des­halb den Klei­nen Land­rat beim Wort neh­men und for­dern, dass nun auch die 2019 in der Abstim­mungs­bot­schaft in Aus­sicht gestell­ten Mass­nah­men ergrif­fen wer­den. Die Löhne ins­be­son­dere im Tou­ris­mus sind tief und das Davo­ser Miet­zins­ni­veau eine Belas­tung. Es gibt heute schon mehr Zweit­woh­nun­gen als Erst­woh­nun­gen in Davos, die­ses Ungleich­ge­wicht akzen­tu­iert sich. Und grosse Wohn­ein­hei­ten sind Man­gel­ware.


Peti­ti­ons­be­geh­ren
Wir wün­schen uns eine Stel­lung­nahme vom Klei­nen Land­rat, in der er Aus­kunft gibt über das Mass der Umnut­zung von alt­recht­li­chen Woh­nun­gen auf­grund der zu Beginn des Jah­res 2020 ein­ge­führ­ten Anzei­ge­pflicht und seine Ein­schät­zung zu den Jah­ren davor. Wie beur­teilt der Kleine Land­rat die Situa­tion und wel­che der in Aus­sicht gestell­ten Mass­nah­men wird er zur Abmil­de­rung der gegen­wär­ti­gen Ent­wick­lung ergrei­fen?

 

gez.

Esther Mar­met                         Ste­fan Pfis­ter                         Chris­tian Tho­mann